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ARCHIV || 30·11·2025 | 18:00 h | Roter Salon

„Schritte ins Freie - Der Kulturarbeiter Dieter Fränzel“

Ein Film von Andreas Macat, 2025, ca. 50 Minuten. Nach der Filmvorstellung findet ein Publikumsgespräch mit dem Filmemacher Andreas Macat und mit Dieter Fränzel statt, moderiert von Petra Lückerath.

Kaum einer kennt die Jazz-Szene und Wuppertaler Jazz-Geschichte so gut wie Dieter Fränzel.
Diese Einsicht motivierte Andreas Macat zu einem filmischen Porträt, das jetzt erstmalig in der börse vorgestellt wird. Bei dem Protagonisten des Films fiel die Idee von Anfang an auf fruchtbaren Boden, auch dank der Vermittlung des gemeinsamen Freundes Helmut Steidler, der das laufende Projekt fachkundig begleitete.

Über die enorme Zeitspanne von sieben Jahrzehnten organisierte Fränzel Konzerte, holte Jazz-Größen wie Charles Mingus nach Wuppertal und knüpfte Kontakte zu zahllosen Musiker*innen. Er war es, der die Free-Jazz-Legenden Peter Kowald und Peter Brötzmann zusammenbrachte. Sein Wirken reicht von den frühen Clubs und „Jazz-Katakomben“ der Fünfziger Jahre bis zu den Klangart-Konzerten im Skulpturenpark, die er für Tony Cragg realisierte.

Fränzel folgte nicht ausgetretenen Pfaden, sondern beschritt oft unbekannte Wege. Das verband ihn mit jungen Musiker*innen wie Breuker, Hampel, Kowald, Brötzmann, von Schlippenbach, Carla Bley, Inge Brandenburg und anderen, die mit Konventionen brachen, um neue, freie, experimentelle Formen der Musik zu entwickeln. Fränzel schuf Orte wie den „Club Impuls“, die zu einem Kristallisationspunkt der Jazz-Avantgarde wurden. In einer Zeit, in der Wuppertal als ein Zentrum des Free-Jazz wahrgenommen wurde, wirkte er als Netzwerker und Kommunikator der Bewegung.

Doch es blieb nicht bei der Faszination für den Free-Jazz. Das von Fränzel Ende der Sechziger Jahre gegründete „Aktionszentrum Impuls“ war längst nicht nur Spielstätte der Musikavantgarde, sondern verstand sich als ein politisch-gesellschaftlicher Ort - Bühne für Musik und Theater, Kneipe und Buchladen. Dass langhaarige Jugendliche hier das Sagen haben sollten, ganz im Sinne der politisierten Achtundsechziger, provozierte Konflikte mit den Stadtoberen und dem bürgerlichen Umfeld. Dies änderte jedoch nichts an der Strahlkraft des von Fränzel und seinen Mitstreiter*innen geschaffenen Ort, der als Blaupause für viele soziokulturelle Zentren diente.

Ohne “Impuls“ gäbe es auch die von Fränzel mitbegründete börse, der er bis in die Gegenwart als Ratgeber zur Seite stand, wohl nicht.

Mit „Schritte ins Freie“ hat der Autor das Porträt eines Mannes geschaffen, der nicht im Rampenlicht der Bühne steht, aber die Musik- und Kulturszene über Wuppertal hinaus ganz wesentlich geprägt hat. Fränzels Medium ist das Ermöglichen, Anregen, Verbinden - ein Kulturschaffender, oder in seinen Worten gesprochen, ein Kulturarbeiter. Tatsächlich zeugt Fränzels Geschichte auch von einem stetigen Akt der Befreiung - von den Fesseln der Fabrikarbeit, der Enge des Elternhauses, überholten Konventionen. Dabei verzichtet der Film auf jegliche Kommentierung. Vielmehr werden im Dialog mit Wegbegleiter*innen die Facetten und Konturen einer Persönlichkeit sichtbar, „die jeder kennt und doch nicht kennt“ (M.Christian Graeff).
Zu den Personen: 
Andreas Macat, Jahrgang 1959, Sozialwissenschaftler und Museumsleiter im Ruhestand, lebt in Wuppertal.


Helmut Steidler, Jahrgang 1949, Fotograf, lebt und arbeitet in Wuppertal.


Dieter Fränzel, Jahrgang 1935, geboren in Wuppertal, Kulturarbeiter, Musikproduzent und Autor.

[Sun, 30 Nov 25 04:00:24 +0100]

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